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Vortrag zum 150. Todestag von Carl Ludwig Althans

Unter der Überschrift „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör“ lud der Freundeskreis Sayner Hütte am 10.10.2014 zu einem interessanten Vortrag ein. Anlass war der 150. Todestag von Carl Ludwig Althans (1788-1864), dem Erbauer der berühmten Gießhalle.  Als Referent konnte man den Architekten Carsten Trojan aus Herdorf gewinnen, der seit einigen Jahren über die Person Althans forscht. Trojan versuchte, den Charakter des Menschen Althans zu beschreiben und brachte in seinem Vortrag vieles, was  bisher noch nicht oft publiziert wurde oder bisher nicht bekannt war.
Denn Carl Ludwig Althans war in der Tat eine Art „Daniel Düsentrieb des 19. Jahrhunderts“, sein Leben war von einem unglaublichen Arbeits- und Forschungsdrang geprägt. Neben seiner Tätigkeit als preußischer Beamter, in der er schon außergewöhnlich produktiv war, betrieb er vielfältige Studien und Arbeiten auf verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten. In der Technikgeschichte ist er vor allem als der Baumeister der Sayner Hütte bekannt, seine Leistungen auf den Gebieten des Maschinenbaus und der Wissenschaft sind bisher wenig erforscht. Das mag in erster Linie daran liegen, dass der größte Teil seiner Zeichnungen und Modelle nach seinem Tod in die Sammlung der Königlichen Bergschule Berlin gelangten, wo sie im Zweiten Weltkrieg sehr wahrscheinlich zerstört wurden. Trotzdem befinden sich in vielen Archiven Althans`sche Zeichnungen, die dem Urheber jedoch nicht zugeordnet sind und sich nur aus dem Zusammenhang erschließen.
Trojan berichtete aus der Jugendzeit des Carl Ludwig Althans, die sich aus einer erhaltenen Autobiografie recht gut rekonstruieren lässt. Er ging auch der interessanten Frage nach, in wie weit die enge Verbindung der Familie Althans zu den Quäkern das spätere Werk von Althans geprägt haben könnte. Die Zuhörer erfuhren einiges über die verschiedenen Ausbildungen, die Althans aus eigenem Antrieb absolviert hatte, u.a. studierte er Mathematik bei Carl Friedrich Gauß in Göttingen.
Im Jahr 1817 begann Althans seinen Dienst als Preußischer Bergbeamter auf Saynerhütte.  In den Jahren 1820 bis 1830 war Althans hauptsächlich mit Planungen für die Hüttenwerke Lohe bei Kreuztal  im Siegerland und Sayn beschäftigt. In dieser Zeit war er zudem der einzige Baubeamte im Ober-Bergamtsdistrikt, was eine rege Reisetätigkeit zur Folge hatte. Mehrmals im Jahr besuchte er zahlreiche Betriebe im Siegerland, Saarland, Eschweiler/Düren und in den Bergbaubezirken an Wied und Ems. Für die Hüttenwerke entwickelte Althans, neben den baulichen Einrichtungen,  verschiedene Gebläsemaschinen, Wasser- räder, Bohrwerke, Kräne und viele weitere Maschinen und technische Einrichtungen, er machte Versuche mit der Verhüttung mit Koks und der Verwendung heißer Gase, er versuchte Hochöfen, Flammöfen und Maschinentechnik ständig zu verbessern. Im Jahr 1830 entstand sein berühmtestes Werk, die Gießhalle der Sayner Hütte, mit der er eine neue Gebäudetypologie erschuf, die dem Hochofen vorgesetzte Gießhalle als eigener Baukörper, in einer gusseisernen modularen Skelettkonstruktion, mit einer Kranbahn in der Hauptachse.

Althans

Bild 01: Portraitzeichnung von Carl Ludwig Althans, angefertigt von Carl v. Binzer ca. 1835

Neben seiner Tätigkeit als preußischer Beamter war er auch als hochgeschätzter Berater privater Unternehmen tätig, allen voran für die Unternehmerfamilie Remy, die er u.a. in den Jahren 1824/1825 bei der Einführung des englischen Flammofen- frischens mit Steinkohlenkoks in deren Werk Rasselstein bei Neuwied mit der Planung neuer Werksanlagen unterstützte. Mit der Ernennung zum Revisionsbeamten des gesamten Rheinischen Bergamtsbezirks im Jahr 1843 nahm seine praktische, schöpferische Tätigkeit stark ab. In seiner „freien“ Zeit widmete er sich zunehmend wissenschaftlichen Themen. Durch seine Aufenthalte in Bergwerken hatte er ein großes Interesse an der Geologie entwickelt. Bereits im Jahr 1839 veröffentlichte er das Buch „Grundzüge zur gänzlichen Umgestaltung der bisherigen Geologie“, das in der Fachwelt große Beachtung fand. Althans betrieb experimentelle Geologie, z.B. leitete er aus Versuchen über die Abkühlung großer Kugeln aus ge- schmolzenem Basalt eine eigene Theorie über die Zunahme der Erdwärme in großen Tiefen ab. Auf Saynerhütte versuchte er experimentell die Kraterbildung auf der Mondoberfläche zu verstehen, indem er seinen Sohn Ernst aus acht Meter Höhe Kartätschkugeln in einen Kübel mit Mörtelbrei fallen lassen ließ. Seine Beschreibungen über diese Versuchsreihen waren in der Fachwelt hoch geschätzt, das Modell der „Mondoberfläche“ befand sich bis zum zweiten Weltkrieg in der Sternwarte Treptow. Bis zu seinem Lebensende machte Althans tägliche meteorologische Beobachtungen, beschäftigte sich mit Messungen der Wärme und Lichtstärke der Sonne, wozu er auch neue Messgeräte erfand.  Er lieferte damit Grundlagen- forschung zur damals bereits auf- kommenden Diskussion über die Endlichkeit der Ressourcen und der Suche nach alternativen Energiequellen. Am 10. Oktober 1864, zwei Jahre nach seiner Pensionierung, starb Althans in Bendorf-Sayn.
Ein Kapitel im Vortrag nahmen auch die sogenannnte Wassersäulenmaschinen ein, Kolben- maschinen, die mit Wasserdruck angetrieben wurden und im 19. Jahrhundert weit verbreitet waren. Die Wasser- säulenmaschinen in den mittelrheinischen Bergbaugebieten an Lahn und Sieg stellten bisher einen weißen Fleck in der Technikgeschichte dar. Althans konstruierte fünf dieser Maschinen, von denen, durch gezielte Recherchen, einige interessante Archivalien gefunden werden konnten. Begeistert waren die Zuhörer besonders von der von Trojan angefertigten digitalen Rekonstruktion einer dieser Maschinen, die auf der Grube Guldenhardt bei Herdorf von 1840 bis 1871 eingesetzt war.
Trojan verstand es, Leben und Werk von Althans in den historischen Zusammen- hang der Industriellen Revolution zu stellen, zeigte viele Querverbindungen zu anderen be- kannten Ingenieuren auf und „würzte“ seinen Vortrag mit einigen Zitaten aus den Briefen von Althans.

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Bild 02: Die Wassersäulenmaschine der Grube Guldenhardt, Illustration von Carsten Trojan