Gießhalle und Hochofen
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Die Gießhalle und Hochofen

Es gibt viele Industriedenkmäler. Aber keines verbindet die Faszination zeitgenössischer innovativer technischer Höchstleistung mit dem Charme der äußeren Erscheinung so - wie die historische Gießhalle auf dem Denkmalareal Sayner Hütte.
Das weltweit herausragende und im Jahre 1830 fertiggestellte, außergewöhnliche Hallenbauwerk  ist eine
Konstruktion aus höchster zeitgenössischer Ingenieurkunst und bau-künstlerischer Ästhetik und hatte Stil bildende Bedeutung für zahlreiche später errichtete Bauwerke aus Gusseisen in Europa.

Nach einer ausführlichen Planungsphase begann der preußische Hüttenbauinspektor Carl Ludwig Althans mit dem Bau eines neuen Hochofens und einer neuen Gießhalle. Wie aus dem Kirchenbau bekannt, wurde die Gießhalle dreischiffig errichtet, das Mittelschiff erhöht, die Seitenschiffe niedriger. Als Fensterband wurde auf beiden Seiten des Mittelschiffs ein Obergaden angeordnet, der zur Beleuchtung sowie zur Be- und Entlüftung diente.

Die Baumaße:
Länge - 43,97 Meter
Breite des Mittelschiffs -  7,85 Meter
Breite der Seitenschiffe je -  7,20 Meter
Breite gesamt - 22,25 Meter
Höhe bis zum First - 12,07 Meter
Höhe der Rundsäulen
bis zur Oberkante der Kapitelle-  6,52 Meter

Getragen wird die Konstruktion ursprünglich von zwölf 6,5 m hohen Hohlsäulen mit dorischen Kapitellen. Darüber spannen sich in Längs- und Querrichtung Eisenbinder. Im ersten der sechs Joche vor dem Hochofen wurden zwei Fischbauchträger eingebracht. Diese tragen, in sechs Stahlbänder gebettet, die Gichtbühne, von der aus der Hochofen beschickt wurde.

Die mit Kugellagern ausgestatteten Schwenkkräne, die ersten dieser Art in Deutschland, sind ebenfalls erhalten.
Sämtliche bei der Hallenkonstruktion verwendeten Eisenteile wurden vor Ort gegossen und fast ohne Schrauben montiert.

Erst etwa ein Jahr vor der Vollendung der Gießhalle hatte Althans sich in Abweichung von der ursprünglichen Planung dazu entschieden, den Abschluss der Westfront nicht als Mauerwand mit Fenstern zu gestalten, sondern als Glasfront, wie wir sie heute noch erleben können.

Diese Abschlusswand der Westseite in ihrer seit 1830 bestehenden Form besticht durch ihre filigrane aus Eisenrippen und Glas geschaffene Ästhetik. Tom Peters sieht in seinem Buch „Building the Nineteenth Century“ (1996) in der Gießhalle der Sayner Hütte den Beginn einer Konstruktions- und Designentwicklung, die zu großen Eisen-Glas-Konstruktionen in Europa  führte.

International bisher bekanntere, aber nicht mehr existente Eisen-Glas-Bauten, bei denen vorgefertigte Eisen-Glas-Teile zur Verwendung kamen, wurden deutlich später als die Gießhalle der Sayner Hütte errichtet. Der berühmte Kristallpalast wurde erst für die im Jahre 1851 in London stattfindende Weltausstellung gebaut, die Galerie des Machines für die Pariser Weltausstellung von 1889.

Die Gießhalle - während der Sanierung

Sayner Hütte offene Halle

Konstruktion Sayner Huette

Konstruktion Sayner Huette 1

Konstruktion Sayner Huette 2

Konstruktion Sayner Huette 3

Konstruktion Sayner Huette 4

Konstruktion Sayner Huette 5

Konstruktion Sayner Huette 6

Konstruktion Sayner Huette 7