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Die historische Gießhalle

Es gibt viele Industriedenkmäler. Aber keines verbindet die Faszination zeitgenössischer innovativer technischer Höchstleistung mit dem Charme der äußeren Erscheinung so wie die historische Gießhalle auf dem Denkmal-Areal Sayner Hütte.
Bei diesem Schmuckstück handelt es sich um die weltweit einzigartige, im Jahr 1830 fertiggestellte erste Industriehalle mit tragender Konstruktion aus vorgefertigten Eisengussteilen. Die Kugelgelager ausgestatteten Schwenkkräne, die ersten dieser Art in Deutschland, sind ebenfalls noch erhalten. Die Kombination aus höchster zeitgenössischer Ingenieurkunst und heute noch anrührender Ästhetik hatte Stil bildende Bedeutung für später errichtete Hallen aus Gusseisen in Europa.

Aus der Geschichte
                                                                                                                                           
1770 ließ der Trierer Kurfürst Clemens Wenzeslaus eine Eisenhütte auf dem Areal errichten.

1815 ging die Sayner Hütte mit dem Rheinland an die preußische Krone. Diese verfügte  damit neben Gleiwitz und Berlin über eine dritte Eisengießerei. Unter der Leitung von Carl Ludwig Althans, einem hervorragenden Ingenieur, produzierte die Hütte nicht nur Baueisen, Maschinen und Geschütze, sondern auch Objekte aus Eisenkunstguss. Herausragende Exponate aus dieser Zeit, die unter dem Begriff “Berliner Eisen” (Berlin Iron / fer de Berlin) bekannt wurden, sind im Rheinischen Eisenkunstguss-Museum im Schloss Sayn zu besichtigen.

1830 wurde im Rahmen einer Erweiterung der Hütte eine neue Gießhalle vollendet – „die“ historische Gießhalle.

1865 kaufte Alfred Krupp das „Eisenhüttenwerk zu Sayn“ samt „den Eisensteingruben bei Horhausen“, denen sein besonderes Interesse galt. In Kruppscher Zeit wurde eine weitere Halle aus Ziegelsteinen erbaut, die „Krupp'scher Halle“.

1926 wurde die Sayner Hütte stillgelegt. Gelände und Gebäude gelangten 1927 ins Eigentum der Stadt Bendorf.

1976 kurz vor dem Abriss erwarb der Ingenieur Heinrich Strüder die gesamte Anlage. Er investierte mit Unterstützung von Bund und Land, so dass die historische Gießhalle als Werkhalle weitergenutzt und damit erhalten werden konnte.

2004 nach erneutem Eigentümerwechsel gelangte der Komplex ins Eigentum der Stadt Bendorf mit dem erklärten Ziel, die historische Gießhalle vor dem Verfall zu bewahren und das Gelände einer neuen Nutzung zuzuführen.

2011 Dank wegweisender Beratung durch Professor Dr. Karl Ganser und mit Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz sowie des Landkreises Mayen-Koblenz konnte das Umfeld der historischen Giesshalle so gestaltet werden, dass sich diese heute deutlich besser in ihrer kargen Schönheit präsentieren kann.

 


Heute Die Sayner Hütte mit Hochofen, Gießhalle, barockem Comptoir und Nebengebäuden zeugt von der bewegten Geschichte der Eisenverhüttung im Rheinland.  Die Gießhalle ist zugleich als Unikat herausragendes „Wahrzeichen“ der Ingenieur -Baukunst und Gusseisentechnologie zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Stadt Bendorf hat mit dem Erwerb des Denkmals eine kulturgeschichtlich große Vorleistung erbracht. Erhalt und Entwicklung der Sayner Hütte aber sind eine Gemeinschaftsaufgabe europäischen Ausmaßes, in die sich derzeit das Land Rheinland-Pfalz, der Landkreis Mayen-Koblenz und die Stadt Bendorf teilen.